Ailinger Landprodukte

In und um Ailingen gibt es zahlreiche Bauernhöfe, von denen die meisten auf Obstanbau spezialisiert sind. Daneben gibt es ein paar wenige mit Milchvieh. Des Weiteren werden noch Kürbisse und Futtermais angebaut.

Der Apfel

Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Apfelsorten. Diese Apfelsorten unterscheiden sich unter anderem durch:

  • Ausfärbung der Schale
  • Ausfärbung des Fruchtfleischs
  • Beschaffenheit des Fruchtfleischs
  • Fruchtgröße (klein, mittel oder großfrüchtige Sorten)
  • Form
  • und Geschmack

Selbst innerhalb einer Apfelsorte kann es Abweichungen geben. Diese Abweichungen werden durch folgende Faktoren hervorgerufen:

  • Standort
  • Pflege
  • klimatische Situation und
  • sogar aktuelle Wetterlage während der Entwicklung des Apfelbaums und seinen Früchten.

Es werden immer wieder neue Sorten erfunden. Dazu wählt man zwei Sorten mit guten Eigenschaften, die man bei der neuen Sorte gerne hätte. Dann wird die Blüte von Baum A mit Blütenstaub von Baum B künstlich bestäubt. Man übernimmt die Aufgabe der Biene und „nimmt“ die zufällige Bestäubung. Dann wird zum Schutz eine Tüte übergezogen, damit keine weiteren Pollen dazu kommen. Im nächsten Jahr werden die Samen ausgesät und dann bis zu 20 Jahre selektiert, bevor eine neue Sorte entsteht. (1 aus ca. 10.000)

Dies wird gemacht, da die alten Sorten Nachteile haben, wie Ertragsschwankungen, keine gleichmäßige Reife (und somit zu oft geerntet werden müssen), eine Ausfärbung/Fruchtgröße, welche nicht dem Verbraucherwunsch entspricht, sie zu druckempfindlich sind oder bei Zimmertemperatur zu schnell mehlig werden. Für die Züchtung wird aber gerne auf die alten Sorten zurückgegriffen, da diese robust gegen Schaderreger sind und es eine große Sorten-, Farb- und Geschmacksvielfalt gibt.

  • Boskoop: Tafelapfel, Back- und Kochapfel
  • Breaburn: Tafelapfel
  • Cameo (Clubsorte): Tafelapfel
  • Cox Orange: Tafelapfel, Brat- und Kochapfel
  • Delbarestivale: Tafelapfel
  • Elstar: Tafelapfel, Kochapfel
  • Fuji: Tafelapfel
  • Gala: Tafelapfel (auf Grund der Süße ein beliebter Apfel bei Kindern) 
  • Golden Delicious: Tafelapfel, Kochapfel
  • Greenstar oder Fruvital: Tafelapfel
  • Idared: Tafelapfel, Back- und Kochapfel
  • Jonagold und Jonagored: Tafelapfel, Back- und Kochapfel
  • Kanzi (Clubsorte): Tafelapfel
  • Pinova oder Evelina: Tafelapfel, Backapfel
  • Rubinette: Tafelapfel (wird nicht sehr groß und eignet sich gut als Pausenapfel für Kinder)
  • Topaz: Tafelapfel, Backapfel, oftmals im ökologischen Anbau zu finden

Mehr Informationen zu den Eigenschaften der Äpfel finden Sie auf bei Obst vom Bodensee.

Äpfel sind vielseitig verwendbar, seine größte Bedeutung hat der Apfel jedoch als Tafelapfel. Gewisse Apfelsorten eignen sich aber auch besonders gut zum Backen und Kochen, in einem Kompott, Gelee oder als Zutat in einem Fruchtsalat.

Kleinere Apfelmengen lassen sich am besten im Kühlschrank aufbewahren. Die Tüte oder das Cellophan sollten geöffnet werden, damit die Äpfel "atmen" können. Allgemein gilt: Auf jeden Fall sollten die Äpfel kühl und bei nicht zu trockener Luft gelagert werden. Deshalb Vorsicht bei neuen Kellern, diese sind nicht mehr so gut für die Lagerung geeignet wie zu Großmutters Zeiten, da sie meistens zu warm und trocken sind. 

An apple a day keeps the doctor away.

Sprichwörtlich ist die gesundheitsfördernde Wirkung des Apfels. Eine Vielzahl der Apfelinhaltsstoffe wirken sich förderlich auf Gesundheit und Wohlbefinden aus.

Mehr

Unsere Gastgeber verraten uns ihre Lieblingsrezepte rund um den Apfel:

Apfelkuchen nach Großmutter's Art (Hilda Krause)

Schwäbischer Apfelkuchen - sehr fein (Viktoria Wieland)

Obstanbau am Bodensee

Erste Spuren der Nutzung von Wildformen des Apfels in Deutschland finden sich bei den Pfahlbauten am Bodensee von 5000- 2500 v. Chr. Die Römer erfanden die Veredelung des Obstes und brachten die ersten Kulturformen auf Ihren Feldzügen nach Deutschland. Im Mittelalter entwickelten die kirchlichen Orden diese weiter. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich der Obstbau zu den Streuobstlandschaften mit großwüchsigen hochstämmigen Bäumen verschiedener Obstarten und Sorten auf Dauergrünland, wie Wiesen und Weiden.

Die Entwicklung vom unwirtschaftlichen Streuobstbau bis zum Erwerbsobstbau ist den Baumschulen zu verdanken, die die Sorten ab dem Ende des 18. Jahrhunderts immer weiter veredelten.

Im heutigen Erwerbsobstbau werden schwachwüchsige Bäume verwendet, die in der Regel eine Höhe von 2,5m nicht überschreiten. Die Umstellung erfolgte ab den 50iger Jahren, als die Verbraucher immer häufiger wohlgeformte Äpfel mit einer ausgewogenen Geschmacksnote bevorzugten.

Die „kleinen“ Bäume bieten aus wirtschaftlicher Sicht verschiedene Vorteile: Weniger Arbeit z.B. beim Baumschnitt oder der Apfelernte, Pflanzenschutzmaßnahme können einfacher durchgeführt werden, hoher Flächenertrag und nur mit dieser Anbauweise kann das Obst mit Hagelnetzen erfolgreich vor Hagelschäden geschützt werden.

Vor dem Obstanbau wurde in Ailingen vor allem Getreide angebaut. Die Reinachmühle, die Mühle in Ittenhausen und die Weilermühle zeugen von dieser Zeit. Es gab auch Versuche Hopfen und Wein anzubauen, schlussendlich haben sich aber die diversen Obstsorten durchgesetzt.

  • Apfel- und Birnenblüte: etwa Ende April/ Anfang Mai
  • Kirschblüte: etwa Mitte April
  • Kernobst
    Äpfel: Mitte August bis Anfang November
    Birnen: September
    Quitten: September
  • Steinobst
    Mirabellen, Kirschen: Juli/August
    Zwetschgen: August/September
  • Beeren
    Brombeeren: Ende Juni bis Oktober
    Erdbeeren: Anfang Mai bis Juli
    Himbeeren: Juni bis Oktober
    Johannisbeeren (rote und schwarze): Mitte Juni bis Mitte August
    Stachelbeeren: Juni bis August
  • Kürbis: Ende August bis Anfang September

Das Jahr eines Obstbauern

Von Ende April bis Anfang Mai verwandelt sich die Bodenseeregion in ein Blütenmeer. Die Blüten der Apfelbäume blühen zartrosa, Kirschen dagegen eher weiß.

In dieser Zeit sind Fröste besonders gefährlich, da die Blüten sehr empfindlich sind. Im Jahr 2017 kam es auf Grund einiger sehr späten Frostnächte zu einem Ernteausfall von bis zu 90% (je nach Sorte und Lage).

Während der Zeit zwischen Blüte und Ernte gibt es viel zu tun. Die Obstbauern betreiben Pflanzenschutz mit streng kontrollierten Spritzmitteln. Dies ist auf Grund der Verbraucheransprüche notwendig, wird aber mit größter Sorgfalt durchgeführt. Zunächst wird geprüft, welcher Schädling da ist und in welcher Zahl. Gibt es zu wenige Nützlinge, die den Schädling selbst bekämpfen können, hilft der Bauer nach. Er achtet dabei darauf die Bienen möglichst nicht zu behindern, denn diese übernehmen die Bestäubung der Blüten, ohne die es nicht zur Fruchtbildung kommen würde. Entlang von Wegen wird so gut wie möglich auf Spaziergänger und Wanderer Rücksicht genommen. Die Spritzmittel sind durch Wasser und die Luft stark verdünnt, es schadet aber nicht, wenn trotzdem einmal Kontakt stattgefunden hat, sich die Hände zu waschen.

Die Forschung im Pflanzenschutz wird stetig weiter getrieben, so dass es inzwischen für verschiedene Schädlinge auch natürliche Mittel gibt, die eingesetzt werden können. Die modernen Pflanzenschutzmittel wirken nur oberflächig und dringen nicht in die Frucht ein. Sie zersetzen sich innerhalb von 1-24 Tagen. Deswegen und weil die Früchte größer werden und somit ungeschützte Fläche nachwächst, muss auch regelmäßig nachbehandelt werden. Es wird nur behandelt, wenn es sein muss, denn diese Maßnahmen kosten auch Zeit und Geld.

Des Weiteren werden die Äpfel durch Netze vor Hagel und wenn nötig auch vor zu viel Sonne geschützt. In manchen Orten, wie zum Beispiel Ailingen, gibt es zudem noch eine Hagelkanone, die den Hagel verhindern soll. Zum Schutz von Kirschen werden gebietsweise auch Vogelschreckanlagen eingesetzt.

Immer wieder müssen Früchte vom Baum genommen werden. Zum Teil übernimmt die Natur diese Aufgabe selbst (im Juni) um ausreichend Nährstoffe für die übrigen Früchte zu haben. Im Herbst erfolgt die Ausdünnung durch den Bauer, der somit das optimale Wachstum der übrigen Früchte ermöglicht und die aussortierten Früchte mit ihren Nährstoffen dem natürlichen Kreislauf überlässt.

Während die Natur zwischen Ernte und Blüte ruht, werden in den Obstbaubetrieben bereits die Vorbereitungen für die neue Ernte getroffen. Zu alte Bäume werden entfernt, die Böden vorbereitet und die neuen Bäume zwischengepflanzt. Die verbleibenden Bäume müssen geschnitten werden und die Maschinen werden auf Vordermann gebracht.