Mittwoch, 22. April 2026

„trotzdem da!“ – Ausstellung im Stadtarchiv

Kinder aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiterinnen zeigt die Wanderausstellung „trotzdem da!“, die ab Mittwoch, 29. April im Stadtarchiv Friedrichshafen zu sehen ist. Eröffnet wird die Ausstellung am Dienstag, 28. April um 19 Uhr.

Eltern und Kinder sitzen auf einer Wiese
Anton Model mit Erzieherinnen und weiteren Kindern in der Markdorfer „Kinderkrippe Ost“ im April 1946. (Foto: Anton Model, Hagnau)

Die Ausstellung erzählt neun Lebensgeschichten von Kindern, die während des Zweiten Weltkriegs beziehungsweise in der frühen Nachkriegszeit aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiterinnen hervorgingen. Trotz hoher Strafen für verbotene Kontakte wurden viele Kinder aus diesen Beziehungen geboren und waren „trotzdem da“. 

Die Zahl dieser Kinder ist unbekannt und schwer zu ermitteln. Viele blieben sogar bis heute unentdeckt, weil die Beziehung der Eltern geheim blieb, weil die Kinder nie erfuhren, dass sie aus einer verbotenen Beziehung stammten oder weil sie während des Krieges von ihren Müttern getrennt wurden. 

Die Behandlung der Kinder durch die NS-Behörden unterschied sich je nach Herkunft des nicht deutschen Elternteils. Während der Haftzeit der deutschen Mütter kamen die Kinder häufig in ein Heim oder zur mütterlichen Familie. Kinder von Zwangsarbeiterinnen aus Polen und der Sowjetunion wurden ab 1943 meist in Ausländerkinder-Pflegestätten untergebracht, in denen  sie gezielt vernachlässigt wurden. Dadurch sind viele Kinder gestorben. 

Sozialgeschichtlich ist dieser Aspekt der verbotenen Beziehung bislang kaum wissenschaftlich erfasst worden, was diese Ausstellung einzigartig macht. Die Ausstellung wurde von der Stiftung Lager Sandbostel vor drei Jahren konzipiert und mittlerweile an zahlreichen Ausstellungsorten gezeigt.

Eröffnet wird die Ausstellung am Dienstag, 28. April von Jan Dohrmann, Kurator der Ausstellung „trotzdem da!“. Er wird in das Projekt der Gedenkstätte Sandbostel einführen. Anschließend wird Anton Model, selbst Betroffener und Zeitzeuge, seinen Lebensweg erzählen und wie er nach Jahrzehnten seine Mutter wiederfand. Zur Eröffnung sind Interessierte eingeladen. 

Informationen:
Die Ausstellung wird am Dienstag, 28. April, 19 Uhr im Stadtarchiv in der Katharinenstraße 55, 2. Obergeschoss, eröffnet. Die Ausstellung kann bis Freitag, 10. Juli 2026, außer montags, täglich von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 12 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen erhalten Interessierte unter 07541 / 203-55100 und per E-Mail .