Dienstag, 24. Februar 2026

Stadt forciert Aktionsplan Solarenergie

Die Stadt Friedrichshafen startet den digitalen Aktionsplan Solarenergie Friedrichshafen mit dem Ziel, den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen in der gesamten Stadt deutlich zu beschleunigen. 

Der Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt nahm in seiner letzten Sitzung den Aktionsplan zur Kenntnis und beauftragte die Stadt, diesen online zu veröffentlichen und fortlaufend zu ergänzen und zu aktualisieren. Der Plan setzt auf Information, Anreize, Beteiligung und Vernetzung relevanter Akteurinnen und Akteure. Über die offenen Fragen soll das Gremium zeitnah informiert werden.

Der Aktionsplan Solarenergie unterstützt den Ausbau erneuerbarer Energien und wirkt sich dadurch grundsätzlich positiv auf das Klima aus. Die Maßnahmen orientieren sich an den Vorgaben des Klimaschutzgesetzes des Bundes, des Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetzes Baden-Württemberg sowie des Regionalplans Bodensee-Oberschwaben. Zugleich tragen sie zu den städtischen Zielen der Klimaneutralität bis 2040 bei, die der Gemeinderat am 19.07.2023 beschlossen hat.

In Friedrichshafen ist die Nutzung von Windenergie derzeit nicht möglich, da die Windhöffigkeit (durchschnittliches Windaufkommen an einem Standort und damit auch seine Eignung zur Nutzung der Windenergie) zu gering ist. Auch Biomasse und Geo- oder Seethermie können nur eingeschränkt eingesetzt werden. Deshalb liegt der Fokus auf der Solarenergienutzung – insbesondere in der Stromerzeugung durch Dachflächen-, Freiflächen- und Agri-Photovoltaik (Photovoltaik-Anlagen über landwirtschaftlich genutzten Flächen) sowie in der Wärmeerzeugung durch Freiflächen-Solarthermie. PV-Anlagen erzeugen Strom direkt aus Sonnenlicht, arbeiten unabhängig von fossilen Brennstoffen und lassen sich in Kombination mit Stromspeichern flexibel nutzen.

Der Anteil des lokal eingespeisten PV-Stroms am städtischen Gesamtstrom lag 2024 bei etwa 4,7 Prozent (in der Sitzungsvorlage fälschlicherweise als „Stromverbrauch“ dargestellt). Durch die steigende Nachfrage aufgrund von Elektromobilität, Wärmepumpen und Digitalisierung wird künftig mehr Strom benötigt. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Anteil erneuerbaren Stroms weiter ansteigen muss.

Ist-Situation und Potenziale im Photovoltaik-Ausbau

Die aktuell installierte PV-Leistung in Friedrichshafen beträgt rund 44 MWp (Stand Januar 2026). Die PV-Leistung teilt sich auf in nichtprivate PV-Anlagen mit 25,05 MWp (57 Prozent), private PV-Anlagen mit 19,01 MWp (43 Prozent) und Freiflächen- und Agri-PV-Anlagen: 0 MWp (0 Prozent).

Die Stadt kann den Ausbau von Dach-PV-Anlagen außerhalb eigener Liegenschaften nur begrenzt beeinflussen – durch Beratung, Information und Fördermaßnahmen, wie für Stromspeicher. Zudem bestehen Restriktionen nur in gut begründeten Ausnahmefällen, etwa im Denkmalschutz oder aufgrund vorhandener Statik. Dies ermöglicht in der Regel eine unkomplizierte Installation von Dach-PV. Freiflächen- und Agri-PV-Anlagen erfordern hingegen individuelle Prüfungen, weil es sich um Bauvorhaben handelt. Unter Berücksichtigung von Ausschlusskriterien wie Bodenqualität, Schutzgebieten und Grünstrukturen wurde im Rahmen des Aktionsplans eine Potenzialkarte für Freiflächen- und Agri-PV-Anlagen erarbeitet. Im Ergebnis stehen in Friedrichshafen theoretisch nur wenige Flächen für Freiflächen- und Agri-PV zur Verfügung: rund 16 Hektar. Die Gesamtfläche, auf der theoretisch nur die Installation von Agri-PV möglich ist (die Installation von Agri-PV ist weniger restriktiv als die Installation von Freiflächen-PV), ist deutlich größer: rund 1.313 Hektar. Jedes konkrete Bauvorhaben muss individuell geprüft werden. Die Genehmigungsaussichten auf diesen Flächen sind jedoch in der Regel gut.

Für Dach-PV wird ein Ausbaupotenzial von 150 MWp beschrieben, das über Information, Beratung und Motivation möglichst ausgeschöpft werden soll. Zusammen mit einem angestrebten Ausbau von 140 ha für Freiflächen- und Agri-PV (ca. 140 MWp) würde die Strom-Jahresproduktion rund 290.000 MWh erreichen – etwa 70 Prozent der gesamten Einspeisemenge ins Stromnetz von 2024 (419.000 MWh).

Dem Vorschlag der Verwaltung, für Freiflächen- und Agri-PV, ein Flächenziel von zwei Prozent der Gesamtfläche (etwa 140 Hektar) festzulegen, stimmte der Ausschuss nicht zu. Vielmehr soll der Zielwert für das Jahr 2040 für Freiflächen- und Agri-PV dem Ausschuss erneut vorgelegt werden.

Aktionsplan Solarenergie Friedrichshafen

Der Aktionsplan basiert auf drei Säulen: Information, Vernetzung und Bürgerbeteiligung sowie Monitoring und Erfolgskontrolle. Die Stadt beabsichtigt, den Kontakt zwischen Projektierern und Flächeneigentümern zu vermitteln. Zusätzlich können temporäre Solar-Aktionen im Aktionsplan tagesaktuell veröffentlicht werden.

Quartalsweise sollen die installierte PV-Bruttoleistung und installierte PV-Flächen über das öffentliche Dashboard aktualisiert und visualisiert werden. Bei Abweichungen von den Zielvorgaben soll die Stadtverwaltung neue Maßnahmen ergreifen.

Der Aktionsplan soll den Anteil von Solarstrom erhöhen, CO2-Emissionen senken und eine unabhängige Stromversorgung fördern. Gleichzeitig werden durch Förderprogramme und temporäre Solar-Aktionen wirtschaftliche Vorteile für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen generiert, die lokale Wertschöpfung gestärkt und langfristig stabile Stromkosten ermöglicht.

Der Bau von Freiflächen- und Agri-PV-Anlagen verändert die Umgebung. Interessen aus Landwirtschaft, Naturschutz, Wohnbebauung und Energiegewinnung müssen berücksichtigt werden. Doppelnutzungen, Abstände, Ausrichtung und Begrünung helfen, Anlagen verträglich zu integrieren. Zudem steigen die Anforderungen an die Netzinfrastruktur, daher ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Stromnetzbetreiber notwendig.

Die Erstellung, Pflege und Weiterentwicklung des Dashboards erfolgt durch das städtische Klimaschutzmanagement. Softwarekosten sind bereits gedeckt. Lediglich für zusätzliche Öffentlichkeitsarbeitsmaßnahmen und temporäre Solar-Aktionen fallen Kosten an.

Abschließend ist zu sagen, dass der Aktionsplan Solarenergie eine fundierte Orientierung und zentrale Impulse bietet, um Friedrichshafen Schritt für Schritt zu einer solaraktiven Kommune zu entwickeln. Durch Information, Anreize, Beteiligung, Motivation und Vernetzung können die Ausbauziele bis 2040 erreicht und der aktuelle Umsetzungsstand transparent evaluiert werden. Dies wirkt sich positiv auf Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und gesellschaftliche Akzeptanz aus.

Weitere Informationen und alle Vorlagen zu den aktuellen öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates und der Ausschüsse sind unter www.sitzungsdienst.friedrichshafen.de zu finden.