Dienstag, 20. Oktober 2026

Sozialräumliche Infrastrukturplanung

Die Stadt Friedrichshafen will ihre Infrastruktur noch stärker am konkreten Bedarf vor Ort ausrichten. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 19. Oktober der sogenannten „sozialräumlichen Infrastrukturplanung“ (SIP) als Grundlage für die Planung und Priorisierung von Einrichtungen und Angeboten zugestimmt. 

Die sozialräumliche Planung, die bei Stadtplanern auch als Nachbarschaftsplanung bezeichnet wird, hat zum Ziel, eine wohnortnahe und bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen, Investitionen gezielter zu steuern und vorhandene Flächen und Gebäude möglichst effizient zu nutzen. Die SIP soll regelmäßig fortgeschrieben und an die Entwicklung der Bevölkerung angepasst werden.

Zwölf Sozialräume im Blick

Im Zuge der SIP wird Friedrichshafen in zwölf Sozialräume gegliedert. Ein Sozialraum umfasst dabei mehrere benachbarte Quartiere. Betrachtet werden unter anderem die Bereich Bildung, Sport und Kultur, Gesundheit und Nahversorgung sowie soziale Dienstleistungen und Beratung. Dazu gehören beispielsweise Kindertagesstätten und Grundschulen, Sport- und Freizeiteinrichtungen, medizinische Angebote, Nahversorgung, Seniorenangebote, Quartiers- und Integrationsmanagement sowie Kinder- und Jugendtreffs. Auch Angebote, auf die die Stadt keinen direkten Einfluss hat, wie Arztpraxen, Apotheken oder Angebote freier sozialer Träger, werden in die Betrachtung berücksichtigt.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Grundlage der SIP ist der intensive Austausch der Bürgermeister der Stadt Friedrichshafen und die enge Zusammenarbeit über Dezernate und Ämter hinweg: „Eine erfolgreiche sozialräumliche Infrastrukturplanung braucht den Blick über Dezernats- und Amtsgrenzen hinaus. Wenn wir unsere Kompetenzen bündeln und gemeinsam planen, können wir die Angebote in Friedrichshafen gezielt an den Bedürfnissen der Menschen ausrichten und die Lebensqualität in unserer Stadt nachhaltig stärken“, so Andreas Hein, Erster Bürgermeister der Stadt Friedrichshafen. 

„Die enge Zusammenarbeit der Ämter und Dezernate ermöglicht es uns, unterschiedliche fachliche Perspektiven zusammenzuführen und Entwicklungen ganzheitlich zu betrachten. So schaffen wir die Grundlage für passgenaue Lösungen und eine zukunftsfähige Infrastruktur in Friedrichshafen“, ergänzt Julius Mihm, Bürgermeister der Stadt Friedrichshafen.

Bevölkerungsentwicklung als Grundlage

Ein weiterer wesentlicher Baustein der SIP ist eine belastbare Prognose der Bevölkerungsentwicklung. Dafür hat die Stadt ein externes Demographiegutachten beauftragt. Es soll kleinräumige Prognosen nach Altersgruppen und Aufsiedlungsgebieten ermöglichen. Die Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet und sollen ab 2027 schrittweise in die Planung einfließen.

Auf dieser Grundlage sollen unter anderem die Bedarfe bei Kitas, Schulen, Seniorenangeboten und Sporthallen aktualisiert werden. Eine pauschale Festlegung einer bestimmten Zahl von Einrichtungen pro Sozialraum ist nicht vorgesehen. Stattdessen sollen die Bedarfe regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Vorrangige Nutzung vorhandener Gebäude

Die SIP ist eng mit dem Suffizienzansatz, also der nachhaltigen Bedarfsermittlung, der Stadt verbunden. Vor Neubauten soll deshalb zunächst geprüft werden, ob vorhandene Gebäude saniert, umgebaut oder umgenutzt werden können. Auch multifunktionale Nutzungen, Modulbauten und die Umsetzung von Bauvorhaben durch Dritte sollen geprüft werden.

Für freiwillige Angebote wie Quartiersmanagement, Integrationsmanagement oder Familientreffs sollen grundsätzlich keine eigenständigen neuen Gebäude errichtet werden. Bei Schulen und Kitas können Neubauten weiterhin erforderlich sein, wenn der Bedarf dies rechtfertigt.

Durch die SIP sollen außerdem Bauvorhaben priorisiert und finanzielle Mittel gezielter eingesetzt werden. Die Planung wurde bereits bei der Aufstellung des Verwaltungsentwurfs für den Doppelhaushalt 2027/2028 berücksichtigt.

Weitere Schritte

Die SIP soll regelmäßig fortgeschrieben und künftig um weitere Themenbereiche ergänzt werden. Dazu gehört unter anderem die Gastronomie als möglicher sozialer Ankerpunkt in den Sozialräumen. Zudem soll der Themenbereich Wohnen eng mit der SIP verzahnt werden.

Da auch Klimawirkung und Ziele der integrierten Stadtentwicklung berücksichtigt werden, löst die SIP den FN!-Check und den Klima-Check als verwaltungsinternes Steuerungsinstrument ab.

Weitere Informationen und alle Vorlagen zu den aktuellen öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates und der Ausschüsse sind zu finden unter www.sitzungsdienst.friedrichshafen.de.